Romanische Kunst, Treidelkanäle, Weinbau und Schlemmeradressen - eine Landschaft, die Lebensfreude verbreitet
Burgund an einem Herbsttag: Die Sonne, von einem Dunstschleier gefiltert, taucht die Weinhänge der Côte d'Or in satte Goldtöne. Wahre Schätze schlummern in den prallen Trauben - Schätze, die wortwörtlich mit Gold aufgewogen werden, wenn alljährlich die letzte Weinernte des Hospice du Beaune unter den Hammer kommt. Szenenwechsel: Sie stehen irgendwo im Brionnais oder Mâconnais in einer dieser herrlichen romanischen Kirchen und versuchen, das Rankenwerk der steinernen Ornamente mit seinen seltsamen Fabelwesen und höchst realistischen menschlichen Fratzen zu enträtseln. Anschließend besuchen Sie eines der vielen Schlösser, wo Ihnen Fremdenführer erzählen, wer in diesen prächtigen Räumen einst residierte oder in Verbannung schmachtete.
Burgund ist eine Landschaft für Genießer. Das trifft sogar zu, wenn Sie nicht in erster Linie wegen des Weins, der Kunst oder der Küche kommen, sondern mit Freunden oder der Familie ein Hausboot mieten, um beispielsweise auf dem Canal du Nivernais durchs Land zu schippern. Insgesamt stehen Ihnen als Freizeitskipper rund 1200 km burgundische Wasserwege zur Verfügung. So nehmen Sie ganz entspannt und en passant mit, was unterwegs an Highlights anfällt: hier ein Schloss und eine romanische Kirche, dort ein verschlafenes Dorf, ein stilles Landstädtchen, Weinfelder oder Laubwälder, aus denen Vogelgezwitscher dringt. Und immer wieder die Menschen: beim morgendlichen Einkauf der goldgelben Baguettes frisch vom Bäcker, beim Plausch mit dem Schleusenwärter oder der Crew eines anderen Hausboots...
Wird von Burgund als einer Landschaft für Genießer gesprochen, ist es unerlässlich, die Vielfalt dieser Landschaft näher ins Auge zu fassen. Die Einteilung in die vier Departements Côte d'Or, Yonne, Nièvre und Saône-et-Loire zieht eher Grenzen, als dass ein authentisches Bild entsteht. Eingeweihte sprechen dann auch lieber vom Pays Beaunois, wenn von den Weinbergen der Côte d'Or die Rede ist, oder vom Nivernais, wenn das Hügelland westlich des Morvan bis zur Loire gemeint ist, vom Bazois, Auxois, Brionnais, Mâconnais und so fort. Doch welche Bezeichnung Sie auch wählen: Auf einer Reise durch diese grüne Region inmitten von Frankreich werden Sie mit Sicherheit Ihr Burgund kennen und lieben lernen.
Was die großen burgundischen Städte betrifft - die Hauptstadt Dijon, die Weinstadt Beaune, das an der breiten Yonne gelegene Auxerre, das römisch geprägte Autun oder die alte Herzogsstadt Nevers -, so wird es schwer fallen, sie mit Kurzbesuchen »abzuhaken«. Jede hat ihr eigenes Thema.
Bei Dijon, der Hauptstadt heute wie zur Zeit der Großen Herzöge, ist es natürlich in erster Linie die Kunst. Was manchmal ermüdend, langweilig sein kann - hier ist es eine spannende Reise ins höfische Zentrum der mittelalterlichen Großmacht Burgund. Die Herzöge waren nicht nur sagenhaft reich und mächtig, sie liebten auch den Prunk, das üppige Tafeln - und die Kunst. Sie engagierten die größten Maler und Bildhauer ihrer Zeit, um sich in Öl und Marmor verewigen zu lassen. In ihrem alten Palast in Dijon, wo manches rauschende Fest gefeiert wurde, und sich dann die Tafeln buchstäblich unter den Speisen und feinen Weinen bogen, sind sie immer noch anzutreffen.
Im Lauf der Jahrhunderte wurden nicht nur die großen Festbüfetts, sondern auch die feine, individuelle Küche um immer neue Variationen bereichert - wie heute die vielfältige Restaurantszene von Dijon eindrucksvoll beweist. Auch ansonsten erleben Sie Dijon als eine der lebendigsten und fortschrittlichsten Städte Frankreichs, in der Sightseeing ebenso viel Spaß macht wie Shopping oder das Nachtleben, das nicht zuletzt dank der vielen Studenten heftig pulsiert.
Ob Beaune, die andere »Hauptstadt« Burgunds, mit Dijon konkurriert, ist eine müßige Frage. Zwar beruft man sich auch hier gern auf die Großen Herzöge, deren Residenz die Stadt einmal war, aber Beaune hat keinen Wettstreit nötig. Ob Hôtel-Dieu, Palais des Ducs oder die riesigen Weinlager in den Gewölben der Bastionen - Beaune blüht und gedeiht dank der Heerscharen der Touristen und Weinfreunde aus aller Welt.
Kommen Sie dagegen nach Autun, Auxerre, Avallon oder Chalon-sur-Saône, werden Sie feststellen, dass hier die Uhren anders gehen. In diesen großen Kleinstädten sind immer die Einheimischen in der Mehrzahl - und die wissen das Leben zu genießen. Die Burgunder lieben ihre großen und kleinen Feste. Dank des Weins haben sie auch reichlich Gelegenheit dazu: Die Fête Tournante de la Saint-Vincent zu Ehren des Schutzpatrons der Winzer und die Trois Glorieuses werden in den Weinorten im Januar bzw. November gefeiert. Wenn Sie im Juli nach Vézelay kommen, geraten Sie dagegen leicht in einen Rummel, der religiösen Ursprungs ist. Menschen aus aller Welt pilgern dann bei der Fête de la Madeleine zur Basilika auf dem Berg. Da bleibt wenig Ruhe, sich die herrlichen Skulpturen von Sainte-Madeleine näher anzuschauen.
Beschaulicher ist dann eher eine Fahrt durch die von Rebstöcken geprägte Landschaft. Das Zauberwort in diesem Weinland lautet »Dégustation« (Weinprobe). Wer ihr erliegt, muss allerdings wissen, dass auch Frankreich mittlerweile maximal 0,5 Promille duldet und die Gendarmen keinen Spaß verstehen, wenn sie Beute machen. Die Versuchung winkt mit jeder Ortsdurchfahrt in Form von bunten Schildern. Ganz stilgerecht degustieren können Sie Anfang September bei einem offiziellen Gelage der Winzer von Gevrey-Chambertin. Damit verbunden ist eine Ausstellung und eine dégustation, bei der die Begegnung mit dem König der Weine, dem Chambertin, garantiert zum unvergesslichen, um nicht zu sagen berauschenden Erlebnis wird.
Aber auch andere Attraktionen gibt es in Burgund abseits der touristischen Hochburgen glücklicherweise im Überfluss. Wollen Sie einmal ruhig und völlig lautlos in einer bunten Kugel über Schlösser, Dörfer, Wälder und Wiesen dieser wunderbaren Landschaft schweben? Ballonfahrten mit der Montgolfiere sind eine nicht ganz billige, dafür einmalige Gelegenheit, Burgund von oben zu erleben - vor allem bei der alljährlichen Montgolfiade in Chalons-sur-Sâone zu Pfingsten.
An heißen Sommertagen zieht es manchen auch in die grünen Höhen des Morvan mit seinen Bade- und Wassersportseen, Schluchten, klaren Bächen und stillen Weilern. Auch das ist Burgund - sehr erholsam! Immerhin knapp ein Drittel der Region ist mit Wald bedeckt, und davon entfallen auf den Morvan allein rund 1400 km². Dieses Himmelreich für Wanderer, Wassersportler und Angler wurde 1970 zum Parc Naturel Régional erklärt. Und wer dieses grüne Herz von Burgund für sich entdeckt, wird kaum der Versuchung widerstehen können, hier den Rest seines Urlaubs zu verbringen.
Insgesamt verkörpert Burgund in einer einzigen Region nahezu alles - wenn man einmal von der maritimen Seite absieht -, was den Reiz und den Charme Frankreichs ausmacht: Kunst und Kultur, eine vielseitige Landschaft und natürlich das Savoir-vivre... Schwer, diesem Charme nicht zu erliegen!
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